Tag 1
Am frühen Morgen wurden wir in Luang Prabang von unserem Guide Lee zu unserer 3-tägigen Tour durch den laotischen Dschungel abgeholt. Nach etwa 1.5-stündiger Fahrt ging es mit kleinem Rucksack und Regenponcho bepackt los zu ersten Etappe. Zuest stand eine Flussüberquerung mit einem kleinen, wackeligen Boot an, bei der zum Glück niemand ins Wasser fiel. Allerdings ist Luke auf dem Weg zum Ufer schon das erste Mal auf dem matschigen Boden ausgerutscht und dies sollte nicht der letzte Sturz bleiben. Die ersten 1-2 Stunden des Weges blieben wir von oben größtenteils trocken; allerdings mussten wir im Laufe des Tages mehrfach einen kleinen Fluss durchqueren und so waren Schuhe, Socken und Hosenbeine schnell komplett durchnässt. Am ersten Tag gab es noch ein leckeres Mittagessen, das Lee aus Luang Prabang mitgebracht hatte. Kurz nach dem Essen setzte dann aber der Regen ein und die billigen Regenponchos waren schnell überfordert. Der Regen verwandelte den lehmigen Boden auch an vielen Stellen in Rutschbahnen und daher gab es am ersten Tag schon einige Stürze bzw. Beihnahe-Stürze. Selbst Lee war hiervon nicht ausgenommen. Trotz dieser widrigen Bedingungen war die erste Etappe dennoch unglaublich schön, da es auf kleinsten Wegen wirklich mitten durch den Dschungel ging. Lee hatte uns erzählt, dass er diese Tour schon 4 Monate nicht mehr gemacht hatte und deshalb eine Machete mitgebracht hatte. Diese war an einigen Stellen auch nötig, da der Weg teilweise überwuchert war und Lee uns den Weg erst freischlagen musste. Es ging außerdem vorbei an schönen Lichtungen, riesigen Bäumen und idyllischen Reisfeldern. Am Ende der Wanderung waren wir allerdings auch sehr froh, unser erstes Dorf zu erreichen und endlich aus den nassen Klamotten und Schuhen herauszukommen. Unser Nachtlager lag in einer kleinen Hütte neben dem Haus des Dorfvorstehers. Die Zeit bis zum Abendessen durften wir mit einer Dorfbesichtigung verbringen. Im Dorf, welches von einem Khamu-Volk bewohnt wird, fühlte man sich mindestens 50-60 Jahre in der Zeit zurückversetzt. Im kleinen Laden gab es eigentlich nichts zu kaufen, Strom gab es natürlich auch nicht und wir konnte die Einheimischen dabei beobachten, wie sie mit ihrer „Kulturtasche“ zum Fluss losgezogen sind, um sich zu waschen, Zähne zu putzen oder um Wasser zu holen. Luke und ich haben auch versucht, uns mit ein paar Bewohnern zu verständigen und ihnen Bilder aus Deutschland gezeigt, was Jung und Alt sehr fasziniert hat. Vorm Zubettgehen haben wir noch einen kleinen Schrecken bekommen als wir beim Zähneputzen im Freien die unglaublich zahlreichen Spinnen um unsere Hütte und auch im Plumpsklo entdeckt haben. Dank Moskitonetz wurde es trotzdem noch eine halbwegs erholsame Nacht – zumindest für mich. Andere waren offensichtlich deutlich häufiger wach.
Es kann losgehen
Boote zur ersten Flussüberquerung
Beginn der Wanderung
Der Schmetterling in der ersten Pause war vor allem von Rick angetan
Eine der diversen Flussdurchquerungen
Weg durch dichtes Gestrüpp
Mittagessen
Und schon wieder nasse Füße
Reisfeld
Frauen bei der Arbeit im Reisfeld
Guide Lee vor einem der riesigen Bäume
Ankunft im Dorf
Einladung zum Zusammensitzen mit ein paar Dorfbewohnern
Unser Schlafplatz
Tag 2
Bevor es zur zweiten Etappe los ging, gab es noch ein passables Frühstück im Haus des Dorfvorstehers und wir konnten Schreibstifte, die Rob mitgebracht hatte, an die einheimischen Schulkinder verteilen. Beim Freiluftzähneputzen am Morgen hatte Rob leider missverstanden, welches Wasser wir denn zum Zähneputzen benuzen sollten und sich daher am Wasser bedient, in dem wenige Minuten vorher noch eine Ente ihr morgendliches Bad genossen hatte. Unsere Kleidung war trotz leichtem Sonnenschein am Morgen immer noch nass als es zur Wanderung los ging. Der zweite Tag war deutlich anstrengender als der erste, da es fast die ganze Zeit über einen recht breiten Weg ging, der ungeschützt in der prallen Sonne lag (wo ist der Regen, wenn man ihn mal braucht??). Außerdem ging es den Großteil des Weges bergauf. Am schlimmsten war jedoch die Tatsache, dass es im letzten Dorf kein Wasser zu kaufen gab und wir somit nur Wasser aus dem Fluss zum trinken hatten, welches Lee morgens abgekocht hatte. Ob es am Flusswasser lag oder am Kochtopf wissen wir nicht, das Wasser war jedenfalls aufgrund von Räuchergeschmack mehr oder weniger ungenießbar und das Zufügen von Rehydrierungspulver mit Fruchtgeschmack hat die Tatsache eher verschlimmert als verbessert. Auch der gekochte Bambus, den es zusammen mit Klebreis zum Mittagessen gab, hatte den gleichen Geschmack wie das Wasser. Luke und ich haben aber unabgesprochen so gut zusammengehalten, aufeinander gewartet und uns gegenseitig so gut motiviert, dass wir es immer wieder geschafft, halbwegs munter und zügig den nächsten Anstieg hochzulaufen. Am Ende der Wanderung waren wir jedenfalls alle wieder sehr froh, das Dorf zu erreichen und endlich abgepacktes, „gutschmeckendes“ Wasser zu bekommen. Dieses Dorf war etwas größer und hatte einen Teil, der von Kahmu bewohnt wurde und einen Teil, der von Hmong bewohnt wurde. Am Nachmittag hat Lee uns dann durch’s Dorf geführt und wir haben wieder Stifte gekauft, um sie den Kindern zu schenken. Bei unserer Gastfamilie gab es auch etwas mehr „Luxus“ als am Tag zuvor, was bedeutet, dass das Plumpsklo im Haus lag und es im Garten gab es eine Open-Air-Waschgelegenheit gab. Zum Abendessen gab es eine Suppe mit Klebreis, die wieder genau wie das eklige Wasser schmeckte. Während Luke, Rick und ich die Suppe tapfer so sehr mit Klebreis und Chili vollgestopft hatten, dass es eigentlich keine Suppe mehr war und eher scharf als komisch schmeckte, hat Rob einen unbeobachteten Moment genutzt und die Suppe aus dem Fenster in den Garten geschüttet. Der restliche Abend verlief mehr oder weniger unspektakulär beim gemütlichen Zusammensitzen im dunklen Zimme, Probekosten von Heuschrecken und beim Üben von Zungenbrechern, denn Strom gab es diesem Dorf natürlich auch nicht. Lediglich Luke’s Barfußlauf in der Ameisenstraße beim Freiluftzähneputzen, Rick’s Panik vor der Spinne an der Treppe und eine riesige Kakerlake im Klo waren in Sachen Begegnungen mit der „Tierwelt“ zu vermerken.
Mädchen besorgen Wasser am frühen Morgen
Frühstück im Haus des Dorfvorstehers
Freiluftzähneputzen
Die Ente genießt ihr morgendliches Bad
Nach der Verteilung der Stifte
Abschied vom ersten Dorf
Mittagessen Mekong-Tour Wenn man Laos: Klebreis mit gekochtem Bambus
Total platt kurz vor Erreichen des zweiten Dorfes
Gartendusche auf laotische Art
Das Haus unserer Gastfamilie
Spielende Kinder im Dorf
Verteilung von Schreibstiften
Auf einem Gang durchs Dorf zur Verteilung der Stifte
Schlafstätte 2. Nacht
Tag 3
Die Tatsache, dass wir Rick die Spinne an der Treppe gezeigt hatten, hatte ihn offensichtlich so sehr gegruselt, dass er uns alle – inklusive sich selbst – am nächsten Morgen gegen halb 5 mit einem erschrockenen Laut aufgrund eines Spinnen-Albtraums geweckt hat. Trotz des erneuten frühen Ende der Nacht, startete der Tag somit gut gelaunt mit allgemeiner Erheiterung. Zu Beginn der Tour hatte Lee Tag 3 angekündigt als den schwierigsten und anstrengendsten Tag, was erstaunlich schien, da der zweite Tag uns schon sehr anstrengend vokam. Jedoch fand ich tatsächlich Tag 3 noch anstrengender, da die erste Teilstrecke wieder stark bergauf ging bei großer Hitze. Später setzte jedoch ausgerechnet dann Regen ein, als es wieder ein Stück auf lehmigem Boden -teilweise steil – bergab und bergauf ging. Es war stellenweise so rutschig, dass ich an manchen Stellen wirklich Bammel hatte und auch weitere kleine Stürze nicht zu vermeiden waren. An einem kleinen Teilstück des Schlammweges wimmelte es von kleinen Blutegeln und wir mussten alle unsere Beine und Schuhe absuchen und mehrere – zum Glück noch nicht angeheftete – Blutegel entfernen. An der höchsten Stelle angekommen, waren Luke und ich – die Rekordhalter in Sachen Stürze und Ausrutschen – dann so froh und überschwänglich, dass wir die Matsche genutzt haben, um uns das Gesicht zu bemalen. Der anschließende Abstieg war zum Glück nicht mehr so schwierig, da es einen richtigen Kiesweg gab. Jedoch war die knallende Sonne sehr anstrengend und der lange, steile Weg bergab war eine echte Qual für mein Knie. Beim Mittagessen während des Abstiegs musste Pechvogel Rick leider feststellen, dass er wohl 3 Blutegel übersehen hatte; wir anderen sind zum Glück bissfrei geblieben. Obwohl die Tour unglaublich schön war, waren wir alle am Ende doch froh, dass uns ein Fischer wieder rüber zur anderen Seite des Flusses gebracht hatte und wir wieder im klimatisierten Minivan sitzen konnten und während der knapp 2-stündigen Rückfahrt ein bisschen entspannen konnten.
Alles in allem bin ich unglaublich froh, dass ich mich entschieden habe diese Tour mitzulaufen, denn sie hat mir tolle Freunde fürs Leben gebracht und uns einen tieferen Einblick in das Land und das Leben der Menschen erlaubt, als eine Tour durch die Städte oder eine Tagestour bringen kann. Ich war zwar selten so dreckig (ein T-Shirt musste ich trotz Wäsche entsorgen), bin nie so oft in kurzer Zeit hingefallen seit ich Laufen kann und bin selten so an meine Grenzen gekommen, aber dennoch möchte ich die Tour nicht missen, denn sie war definitiv eines der Highlights meiner ganzen Reise.
Stelle mit den zahlreichen fiesen Blutegeln
Letzte Meter bergauf
Endlich oben angekommen
Ganz schön dreckig
Letztes Mittagessen mit toller Aussicht
Tolle Aussicht über das Tal und den Fluß, unser Ziel
Glücklich und stolz zurück auf der anderen Seite des Flusses