El Nido – Philippinen

Von Samoa aus ging es spät abends erst los in Richtung Auckland, wo ich den mehrstündigen Aufenthalt am Flughafen dazu genutzt habe (dank Flughafen WLAN und mit ganz viel Glück) endlich mein Handy wieder zur Mitarbeit zu bringen. Danach ging es weiter nach Sydney,  wo wir wieder ein paar Stunden auf den Flug nach Manila warten mussten. Endlich in Manila angekommen,  wusste unsere Fahrerin leider nicht so genau, wo unser Hotel lag und ist daher fast 1,5 Stunden mit uns im Dunkeln durch Manila geirrt… ein Traum, da man Manila generell sowieso lieber meiden möchte. Am nächsten Tag ging es dann endlich los in mein großes Abenteuer des Alleinereisens und zur Divemaster-Ausbildung. Nach Flug auf die Insel Palawan und einer Übernachtung in Puerto Princesa saß ich wieder mit großer Vorfreude in einem Minivan in Richtung El Nido. Seit ich im Oktober 2011 zum ersten Mal dort war und meinen ersten Tauchkurs bei Ronny im Submariner Diving Center gemacht habe, wollte ich unbedingt wieder zurück. Ich habe allerdings schnell festgestellt, dass sich in den 5 Jahren seit des letzten Besuches sehr viel verändert hat. Zum Einen dauert die Fahrt von Puerto aus jetzt nur noch 5,5 Stunden, da die Straße fast komplett geteert ist  (was allerdings nichts dran ändert, dass die Fahrt immer noch gruselig ist wegen des furchtbaren Fahrstils der Fahrer). Zum Anderen ist direkt aufgefallen, dass der Tourismus stark zugenommen hat. Waren vor 5 Jahren noch hauptsächlich junge Backpacker dort, ist jetzt jede Altersklasse vertreten und auch die Anzahl der lauten und feiernden Backpacker hat zugenommen. Die Bucht von El Nido ist jetzt vollgestopft mit Booten, die Island-Hopping Touren anbieten. Eine weitere Veränderung besteht darin, dass es jetzt den ganzen Tag über Strom gibt und nicht nur nachts – was allerdings auch nicht ganz wahr ist, da der Strom gerne mehrmals täglich und leider auch öfter nachts ausfällt, was aufgrund des Ausfalls des Ventilators sehr unangenehm werden kann.

All diese Veränderungen – vor allem der stark zungenommene Trubel – haben mich zu Beginn sehr irritiert und ich war nicht sicher, ob es die richtige Entscheidung war, nach El Nido und in mein vermeintlich ruhiges Paradies zurückzukehren.
Zu Beginn hatte ich auch Schwierigkeiten eine bezahlbare Bleibe für die 5-6 Wochen zu finden und so bin ich nach einer Nacht im Schlafsaal im El Gordo’s Guesthouse erst einmal im eigentlich nicht zu vermietenden Geheimzimmer dort gelandet. Ich war Gordo und seiner Frau Christina sehr dankbar, mir erst mal bis auf Weiteres Asyl zu gewähren.

Allerdings war die Unterkunft zu weit von der Tauchbasis weg und es musste dringend eine neue Bleibe her. Nach 4 Tagen habe ich dann endlich eine dauerhafte Bleibe in der Nähe des Strandes gefunden, nur 5 Minuten Fußmarsch am Strand entlang von der Tauchbasis entfernt. Zur Unterkunft muss man sagen, dass sie wirklich sehr einfach war. Ich hatte nicht mal ein richtiges Fenster und musste das Bad teilen. Aus Dusche und Hahn kam nur bräunlich gefärbtes Wasser und die Klospülung war fast immer kaputt, so dass man auf die asiatische Methode des Spülens mit Plastikkelle zurückgreifen musste. So ist das halt auf den Philippinen. Der Wohnzimmerbereich war nicht wirklich zu nutzen, weil die „Rezeptionistin“, die quasi meine ständige Mitbewohnerin war, permanent auf der Couch lag und gepennt hat. Die Waschmaschine, die es im Haus gab, habe ich tatsächlich einmal ausprobiert, aber schon nach dem ersten Waschgang (bei dem ich eine Stunde beschäftigt war um 10 Artikel zu waschen) habe ich schnell eingesehen, dass es sinvoller ist, die Wäsche für 1,30 Euro das Kilo in der Straße abzugeben. Die Maschine war nämlich nicht an die Wasserleitung angeschlossen und so musste ich für einen Reinigungs-und zwei Spülgänge literweise Wasser mit einem kleinen Eimer aus einem Hahn mit minimalem Wasserdruck einfüllen, was wirklich keinen großen Spaß macht. ☺

Ronny, mein Tauchlehrer, war die erste Woche nach meiner Ankunft noch auf Familienbesuch in Manila und daher war ich am 3. Tag in El Nido erst einmal einen Tag zum „Spaßtauchen (Fundive)“  mit raus. Am 4. Tag fing dann meine Ausbildung zum Rescue Diver mit Tauchlehrer Klaus an. Der Rescue Kurs ist wirklich der anstrengendste Hobby-Tauchkurs, weil man die ganze Zeit Taucher über und unter Wasser retten muss, zum Boot oder Strand schleppen muss und wiederbeleben muss. Außerdem muss man den ganzen Tag auf irgendwelche Notfälle eingstellt sein und mit Allem rechnen. Ein sehr anspruchsvoller Kurs, aber sehr empfehlenswert.
Nach Abschluss des 2-tägigen  Rescuekurses ging dann endlich das eigentliche Divemaster-Training los. Während des Kurses muss man verschiedenenste Aufgaben erfüllen und Fertigkeiten lernen. So muss man bei verschiedenen Tauchkursen assistieren, auch bei kompletten Tauchneulingen, die nur einen Tag in die Tauchwelt „reinschnuppern“. Man muss verschiedene Schwimmübungen absolvieren , z.B. 800m mit Maske, Schnorchel und Flossen auf Zeit schwimmen, 15 Minuten ohne Schwimmbewegungen vertikal im Wasser treiben und dabei die letzten 2 Minuten die Hände aus dem Wasser  strecken, usw. Alle Tauchübungen, die Tauchschüler während eines Kurses machen müssen, muss man auf Präsentationsniveau beherrschen und am Besten noch so, dass es ganz einfach aussieht (besteht aus 24 Übungen, dem sogenannten Skill Circuit).  Man muss eine Karte eines Tauchplatzes erstellen, lernen Gruppen zu führen und Tauchbriefings zu geben, und vieles mehr. Meine persönliche „Angstübung“ war das Tauschens des Equipments unter Wasser mit einem Tauchbuddy, mit dem man sich während der gesamten Übung einen einzigen Atemregler teilen muss.
Mein „Arbeitstag“ für die nächsten 5 Wochen sah so aus, dass ich morgens um 7 Uhr am Tauchshop eingetroffen bin und dann geholfen habe sämtliches Equipment inklusive viele schwere Tauchtanks auf das Boot laden. Um 8 Uhr ging es dann mit den Gästen schwimmenderweise aufs Boot und nach einem Bootsbriefing auf zum ersten Tauchplatz. Danach wurde Kaffe, Tee, Wasser und ein kleiner Obstsnack angeboten und wir sind zum 2. Tauchplatz gefahren. Nach dem 2. Tauchgang gab es Mittagessen und danach noch einen 3. Tauchgang. Auf der Rückfahrt haben wir dann schon alles Equipment soweit wie möglich zusammengepackt und nach Rückkehr (zwischen 15 und 16 Uhr) wieder zum Shop geschleppt und alles gewaschen. Nach einer kleiner Pause Zuhause mit Dusche ging es dann zurück zum Shop, um potentielle Tauchkunden zu beraten, Gäste für Tauchtage anzumelden und das Equipment für den nächsten Tag zusammenzustellen und vorzubereiten. Der „Arbeitstag“ war dann normal zwischen 20 und 21 Uhr zu Ende. Wenn ich mal nicht tauchen war, musste ich Einiges an Theorie büffeln.  Ihr könnt Euch also vorstellen,  dass es ein ziemlich intensives Training war, bei dem ich aber sehr viel Spaß hatte und vor allem sehr viel gelernt habe.

Auf dem Boot:

 

Im Tauchshop:

 

Bevor man allerdings in die Welt der professionellen Taucher aufgenommen wird, muss man nach Abschluss des Divemaster-Trainings noch einen weiteren (inoffiziellen) Test bestehen, den Schnorcheltest, bei dem man mit Maske und Schnorchel ausgestattet viel zu viel fies zusammengemischten Alkohol trinken muss und anschließend eine Boje aufblasen muss. Es gab eine große Party im über der Tauchbasis liegenden Restaurant Habibi, da gleichzeitig noch der Abschied von Tauchlehrerin Aoibheann und ihrem Freund Raffy gefeiert wurde sowie Ronny’s  (aufgrund eines bevorstehenden Urlaubs vorgezogene) Geburtstagsparty.  Leider habe ich von der Party nicht allzu viel mitbekommen, da der Schnorcheltest der erste Programmpunkt war und ich kurz danach außer Gefecht gesetzt war. Habe mir aber sagen lassen, dass die Party sehr gut war 😊.

Nachdem die anfänglichen Zweifel beseite gelegt waren,  hatte ich einfach nur eine tolle Zeit in El Nido, was vor allem an den vielen netten Menschen gelegen hat, mit denen ich zusammengearbeitet habe und die sehr gute Freunde geworden sind. Die Submariner und Habibi Family ist wirklich zu einer Art Ersatzfamilie geworden. Von Tauchlehrern (Samy, Aoibheann, Pot und Ronny), über Divemaster (Windel, Freddie, AJ und Ace), mein Divemaster-Trainee Buddy Donald, der kompletten Boots- und Equipmentcrew sowie den Mädels im Shop (Aimee und Joy) haben mich alle ganz toll unterstützt und mir trotz aller Anstrengung die Zeit zu einer der besten in meinem Leben werden lassen. Samy, Aimee, Aoibheann und Raffy (oder zumindest eine/r von ihnen) haben mir eigentlich jeden Abend zum Essen Gesellschaft geleistet und auch sonst haben wir einfach viel Zeit zusammen verbracht und uns gegenseitig unterstützt.

Bei einem Spaziergang an einem ruhigeren Theorietag habe ich auch festgestellt, dass es immer noch ruhige, ursprünglichere Ecken in El Nido gibt wie vor 5 Jahren und die Landschaft um die El Nido Bucht ist einfach atemberaubend.

Die Tauchplätze um El Nido gehören auch zu meinen Favoriten unter allen Tauchplätzen, die ich bisher so auf der Welt gesehen habe, auch wenn es hier in der Regel keine großen Fische wie Haie und co. zu sehen gibt. Mein absoluter Lieblibgsplatz ist South Miniloc, bei dem es ganz besondere Korallen zu bestaunen gibt und man wie in einem Märchen durch einen riesigen Schwarm von Fischen schwimmen kann. Einfach immer wieder schön und entspanndend. Generell hat El Nido sehr viele schöne, bunte und gesunde Korallen zu bieten und Schildkröten, Blaupunktrochen und Oktopusse sind immer wieder zu sehen.

Nach abgeschlossener Ausbildung bin ich dann noch ein paar Tage geblieben und durfte noch etwas Erfahrung im Führen von Gruppen sammeln, was sehr viel Spaß gemacht hat und wiederum sehr lehrreich war, da man einfach jeden Tag andere Taucher führt, die unterschiedliche Ansprüche und vor allem unterschiedliche Erfahrung haben.

Tauchplätze von oben:

Unter Wasser (vielen Dank an Aoibheann für die wunderschönen Unterwasserbilder):

Am letzten Tag hat mir die Crew dann noch den Wunsch erfüllt, den Tunnel bei Helicopter Island zu betauchen. Ein wirklich toller Tauchplatz, der nur selten betaucht wird, da er nur für fortgeschrittene Taucher geeignet ist und der Tunnel zu klein für mehrere Gruppen ist. Da man aber normalerweise mehrere Gruppen inklusive Anfänger auf dem Boot hat, ist der Aufwand in der Regel zu groß. Ich war der Crew sehr dankbar mir diesen Wunsch erfüllt zu haben, da es wirklich ein spezieller Tauchplatz ist, den man nicht überall auf der Welt findet. Somit wurde mein letzter von insgesamt 66 Tauchgängen in 5.5 Wochen zu einem tollen Erlebnis. Am letzten Tag konnte ich allerdings nur noch einen Tauchgang machen, weil ich am nächsten Tag fliegen musste, hatte aber auch so eine schöne Zeit mit der Crew auf dem Boot und beim Schnorcheln.

Der letzte Tag:

Ich war auch sehr dankbar in diesen Wochen wieder gelernt zu haben, worauf es wirklich ankommt. Man braucht keinen Luxus beim Wohnen und es kommt nicht darauf an, was man besitzt oder kann. In El Nido wurde man dafür respektiert,  wer man ist und wie man die anderen Menschen behandelt. Im Gegenzug bekommt man Freunde, die zwar vielleicht nicht viel besitzen, aber glücklich sind, immer ein Lächeln auf den Lippen haben und wahrscheinlich noch das letzte Hemd für einen abgeben würden. Der Abschied von El Nido und meinen Freunden fiel entsprechend schwer, aber wurde mir dadurch erleichtert, dass ich wusste, dass Inka und Juliane schon in den Startlöchern für ein Treffen in Vietnam standesamtliche.

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